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Fruchtkörper des Echten Hausschwammes

Die Hauptkomponenten von Holz sind die Zellwandbestandteile Cellulose, Hemicellulosen und Lignin („Holzstoff“). Bei Cellulose und Hemicellulosen handelt es sich um Polysaccharide, die von relativ vielen Mikroorganismen abgebaut werden können. Lignin, das überwiegend aus Phenylpropankörpern aufgebaut ist, gehört dagegen zu den am schwersten abbaubaren natürlichen Substanzen.

Nur wenige Organismen können Holz bzw. Lignocellulose abbauen bzw. als Nahrungsgrundlage verwenden. Pilze aus der Klasse der Basidiomyceten spielen dabei im Stoffkreislauf der Natur die wichtigste Rolle. Je nachdem, ob primär die Cellulose oder das Lignin abgebaut wird, kommt es zu grundsätzlich verschiedenen Zerstörungsbildern bzw. Abbautypen, die im folgenden aufgeführt sind.

 

Einteilung der holzzerstörenden Pilze nach dem Abbautyp

1. Braunfäule

Echter Hausschamm an einem BAlken
Echter Hausschwamm an einem Balken

Braunfäuleerreger bauen primär Cellulose und Hemicellulosen ab, während Lignin lediglich modifiziert wird und übrig bleibt. Das typische Zerstörungsbild bei einer Braunfäule ist eine dunkelbraune Verfärbung des Holzes und ein Zerfall des Holzes quer zur Faserrichtung, der als sog. Würfelbruch erscheint. Dieses Bild hat zu der früher gebräuchlichen Bezeichnung Destruktionsfäule geführt. Im fort­ge­schrittenen Stadium einer Braunfäule lässt sich das Holz zwischen den Fingern zu Pulver verreiben.

Der Würfelbruch kann so beschaffen sein, dass sehr kleine Würfel unterhalb von 0,5 cm bis hin zu großen Würfeln von mehreren Zentimetern entstehen. Oft wir behauptet, dass großer Würfelbruch auf einen Befall durch Echten Haus­schwamm schließen lässt, während der kleine Würfelbruch quasi als Aus­schluss­kriterium für den Echten Hausschwamm gilt. Hier muss zu größter Vorsicht geraten werden. Es ist zwar tatsächlich so, dass es sich bei einem Vorliegen von sehr großem Würfelbruch oft um Echten Hausschwamm handelt, aber das heißt nicht, dass bei kleinerem Würfelbruch nicht auch ein Befall durch Echten Haus­schwamm bestehen kann kann.

Zu den Braunfäuleerregern gehören die häufigsten in Gebäuden auftretenden holz­zerstörenden Pilze.

 

2. Weißfäule

Weißfäuleerreger bauen bei der so genannten Simultanfäule Lignin, Cellulose und Hemi­cellulosen zu etwa gleichen Anteilen ab. Beim präferentiellen Ligninabbau bzw. der sukzessiven Weißfäule werden dagegen primär Lignin und Hemicellulosen abge­baut und Cellulose reichert sich relativ an.
Bei der Simultanfäule zerfällt das Holz längsfaserig, verliert sehr stark an Gewicht und wird stark aufgehellt. Für dieses Erscheinungsbild war früher auch der Begriff Korrosionsfäule gebräuchlich.
Der präferentielle Ligninabbau kann so stark ausgeprägt sein, dass praktisch reine Cellulose übrig bleibt und das Holz schneeweiß erscheint. Ein solches Abbaubild ist als Phänomen des „palo podrido“ aus den Regenwäldern Süd­chiles bekannt. Der flache Lackporling ( Ganoderma applanatum ), ein Pilz der sowohl eine simultane Weißfäule als auch präferentiellen Ligininabbau hervor­ruft, kann unter den dortigen Umgebungsbedingungen die Cellulose ganzer Baum­stämme anreichern. Die chilenischen Bauern nutzten solche Baumstämme früher sogar als Viehfutter.

Im Gebäude treten Weißfäuleerreger nur selten auf. Sie sind typischerweise unter natürlichen Bedingungen im Wald anzutreffen.

 

3. Moderfäule (soft-rot)

Von Moderfäulepilzen wird primär der Celluloseanteil des Holzes abgebaut, während das Lignin weitgehend erhalten bleibt und wie bei der Braunfäule chemisch modifiziert wird. Moderfäulepilze benötigen eine sehr hohe Holz­feuchtigkeit. Ursprüng­lich wurde der Abbautyp an Holz, das dauernd der Feuchtigkeit ausgesetzt ist (z.B. Kühltürme, Wasserbauten) bzw. zusätzlich Erd­kontakt hat (z.B. Masten) beschrieben.

Das Erscheinungsbild einer Moderfäule ist dem der Braunfäule durchaus ähnlich. Wenn das Holz trocken ist, zerfällt es ebenfalls würfelbruchartig. Die Oberfläche ist dunkel (bis schwarz) bis manchmal silbrig glänzend verfärbt. Im feuchten Zustand ist die Holzoberfläche eher modrig und weich bis schmierig, was den Begriff Moder­fäule bzw. im Englischen Sprachgebrauch den Begriff soft-rot geprägt hat.
Auch an in Gebäuden verbautem Holz kann es unter sehr feuchten Be­dingungen zum Abbaubild einer Moderfäule kommen. Als wichtige Moder­fäule­erreger sind aus der Klasse der Ascomyceten Chaetomium spp. und unter den Deuteromyceten Trichoderma spp., Phialophora sp., und Paecilomyces spp. zu nennen.

 

Wichtige Holz zerstörende Pilze in Gebäuden

Eine Holzzerstörung an verbautem Holz in Gebäuden wird überwiegend durch Braun­fäuleerreger verursacht. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass häufig Nadelholz, das gegenüber Braunfäuleerregern besonders anfällig ist, verbaut wird.

Als wichtige Braunfäuleerreger sind die folgenden Pilze zu nennen:

  • Echter Hausschwamm
    (Serpula lacrymans, früher Merulius lacrymans)
  • Wilder Hausschwamm
    (Serpula himantioides, früher Merulius himantioides)
  • Brauner Keller- oder Warzenschwamm
    (Coniophora putean

sowie weitere

  • Coniophora-Arten
    (Coniophora marmorata u.a.)
  • Weißer Porenschwamm bzw. Porenschwamm-Gruppe
    (Antrodia vaillantii -Gruppe)
  • Muschelkrempling oder Grubenschwamm
    (Paxillus panuoides )
  • Blättlinge
    (Gloeophyllum spp., früher Lenzites spp.

Alle genannten Pilze sind nach eigener Erfahrung oft bei Schadens­fällen nach­zuweisen, wobei Schadensfälle durch Echten Haus­schwamm, durch Keller­schwamm-Arten, durch Porenschwämme und Blättlinge die häufigsten sind.

Als wichtige Weißfäuleerreger sind die folgenden Pilze zu nennen:

  • Ausgebreiteter Hausporling (Eichenporling)
    (Donkioporia expansa)
  • Sternsetenpilz
    (Asterostroma sp. )

Der Eichenporling tritt nicht nur an Eichenholz sondern auch an Nadelhölzern auf. Schadensfälle durch diesen Pilz sind sicherlich wesentlich seltener als durch Braunfäuleerreger, aber gerade in den letzten Jahren sollen Schadens­fälle durch den Eichenporling zugenommen haben.

Andere Weißfäuleerreger, wie z.B. der Spaltblättling oder der Schmetterlings­porling scheinen in Gebäuden keine große Rolle zu spielen.

Ein nach eigener Erfahrung allerdings immer wieder nachzuweisender Pilz ist der Stern­setenschwamm oder Sternchenschwamm (Asterostroma sp.). Möglicher­­­weise wird er häufig gar nicht erkannt, da er zusammen mit Braun­fäule­­­erregern auftreten kann und die Stränge dann leicht mit den Strängen anderer Pilze verwechselt werden.

 

Sonderstellung des Echten Hausschwammes

Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) kann schon bei relativ niedriger Holzfeuchte wachsen und sogar nahezu trockenes Holz angreifen, wenn er gleichzeitig in einem anderen Bereich mit höherer Feuchte angesiedelt ist.

Mit Hilfe des Strangmyzels bzw. der sogenannten Stränge kann sich der Echte Haus­schwamm über weite Strecken aus­breiten und dabei auch holzfreie Stoffe viele Meter überwachsen. Er durchwächst dabei z.B. auch Mauerwerksfugen bzw. Wände, Schüttungs­materialien sowie Versorgungskanäle und Leitungs­schlitze.

Das Besiedeln von Mauerwerk ist ebenfalls als Merkmal, das insbe­sondere beim Echten Hausschwamm auftritt, anzusehen. Irrtümlicherweise hat sich deshalb bis heute die Bezeichnung Mauerschwamm gehalten. Aber auch der Echte Hausschwamm braucht wie jeder andere Pilz als Nahrungsgrundlage organische Substanzen und ernährt sich nicht aus dem Mauerwerk. Neben Holz kann er andere cellulosehaltige Substanzen wie z.B. Tapeten, Bücher, Rohr­geflechte, aber selbst Leder und Kartoffeln angreifen. Mauerwerk spielt aller­dings eine besondere Rolle, da der Pilz offensichtlich auf die alkalischen Baustoffe wie Mörtel, Putz u.a. angewiesen ist. Durch die alkalischen Bestandteile wird die von ihm produzierte Oxalsäure neutralisiert und es wird angenommen, dass dieser Vorgang auch ein Grund dafür ist, dass der Echte Hausschwamm fast ausschließlich in Gebäuden vorkommt.

Eine weitere Besonderheit des Echten Hausschwammes ist seine versteckte Lebensweise. Da er sehr empfindlich auf Luftzug reagiert, entwickelt er sich z.B. bestens hinter Wandverkleidungen, in Zwischendecken und unter Dielungen. Ein akuter Befall kann deshalb oft sehr lange unentdeckt bleiben.